Quelle: Stadtarchiv Solingen, Solinger Tageblatt 13. Dezember 1923
Das Solinger Tageblatt beginnt mit dem Abdruck des Fortsetzungsromans „Leuten vom grünen Zweig“ von Anna Hartenstein, die mit dem Roman den Zeitgeist und „die Zerrissenheit deutschen Empfindens“ nach dem Ersten Weltkrieg widerspiegelt.
Unser neuer Roman, mit dessen Abdruck in der vorliegenden
Ausgabe begonnen wird, ist der Versuch, den seelischen Niedergang, die
Verworrenheit und Zerrissenheit deutschen Empfindens, die als
schlimmste aller Folgeerscheinungen des Krieges und unseres Zusammen-
bruches allgemein hervortreten, künstlerisch zu erfassen und zu ver-
arbeiten. Der inneren Wurzellosigkeit, der ein großer Teil unseres
Volkes verfallen ist durch die Einstellung auf rücksichtslosen Geld-
erwerb, durch skrupellose Genuß- und Vergnügungssucht steht bei
einer Minderheit das Festhalten an den idealen Gütern, die Liebe zur
Gediegenheit, zur Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit gegen sich selbst gege-
über. In den „Leuten vom grünen Zweig“ ringen beide Auffassungen
miteinander. Anna Hartenstein hat den Vorwurf in glücklicher, künst-
lerischer Form gelöst. Anschaulich und spannend schildert sie, wie in
einem bayrischen Dorf die Gegensätze aufeinanderstoßen. Klar und
bildhaft wiegelt sich der Geist unserer Zeit in zwei Liebes- und Ehe-
geschichten junger Menschen, denen Glanz und Flitter und Wohl-
leben zum Verhängnis werden.
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Stadtarchiv Solingen: RK (13. Dezember 2023). 13. Dezember 1923. 1923: Alltag in der Krise. Abgerufen am 17. Juli 2026 von https://doi.org/10.58079/afnp
